Narratives Traumverfahren im Coaching und in der Gruppensupervision
Die SENOI-Technik basiert auf einer ursprĂŒnglich indigenen Praxis, die in den 1930er-Jahren von Kilton Stewart in den Westen gebracht und in den Bereich der Psychologie eingefĂŒhrt wurde. Obwohl die historischen Berichte ĂŒber das Volk der Senoi heute als stark ĂŒberhöht und romantisierend gelten, hat sich aus dieser ErzĂ€hlung ein wirkungsvolles narrativ-psychologisches Verfahren entwickelt. Im Coaching und in der Gruppensupervision dient die SENOI-Technik als kreatives Instrument, um innere Ressourcen zu aktivieren, Entwicklung zu imaginieren und kollektive positive Narrative zu stĂ€rken.
Ursprung: Der Mythos der Senoi
Die SENOI-Technik geht auf die Berichte von Kilton Stewart ĂŒber die malaysische Ethnie der Senoi zurĂŒck. Stewart beschrieb, dass die Senoi ihre TrĂ€ume tĂ€glich in der Gemeinschaft erzĂ€hlten und daraus Handlungsanleitungen fĂŒr den Alltag entwickelten. Diese Berichte wurden spĂ€ter vielfach hinterfragt und als âMythos vom edlen Wildenâ entlarvt (Domhoff, 2003). Dennoch bildeten sie die Grundlage fĂŒr eine therapeutisch und entwicklungspsychologisch bedeutsame Praxis: das bewusste WeitererzĂ€hlen und Umdeuten von TrĂ€umen als Ressource fĂŒr Selbststeuerung und soziale KohĂ€sion.
Narratives Verfahren im Coaching
Im Coaching dient die SENOI-Technik der bewussten Nutzung von Traumfragmenten oder imaginativen Bildern. Dabei wird der Traum als Ausgangspunkt genommen, um neue, positive Entwicklungsrichtungen zu imaginieren. Die Coachees fĂŒhren den Traum, die innere Vorstellungswelt oder auch tatsĂ€chlich erlebte Episoden aus ihrem Leben erzĂ€hlerisch fort, lösen Konflikte kreativ und entwickeln innere StĂ€rke. Der Coach moderiert diesen Prozess durch gezielte Fragen, Perspektivwechsel und das Einbringen symbolischer Ressourcen.
SENOI-Technik in der Gruppensupervision
In der Gruppensupervision dient diese Methode der kollektiven Ressourcenaktivierung. Eine Person schildert ein Erlebnis und die damit einhergehenden inneren Bilder und Erlebnisse. Die Gruppe knĂŒpft an diese ErzĂ€hlung an und entwickelt sie weiter und reichert sie mit positiven Deutungen an. Dies fördert kreative Problemlösungen, Empathie untereinander und das Erleben von GestaltungsmĂ€chtigkeit. Auch hier steht nicht die Analyse, sondern die imaginative Narration im Vordergrund.
Fallbeispiel: Vom dunklen Bild zur mutigen Handlung
In einer Gruppensupervision unserer Coachingausbildung berichtet eine Teilnehmerin in einer Lerngruppe von ihrer Sorge, den eigenen AnsprĂŒchen nicht zu genĂŒgen weshalb sie noch nicht aktiv an Ăbungscoachings teilnimmt. Sie beschreibt ihre innere Vorstellung dazu als dunkel und orientierungslos und sagt, dass sie den Kontakt zu ihrer mutigen Seite nicht finde.
Die Gruppe greift diese Geschichte auf und entwickelt gemeinsam eine WeiterfĂŒhrung: Ein Licht erscheint, erste Schritte schaffen sicheren Boden, ein verborgener Pfad öffnet sich, die mutige Seite nimmt sie an der Hand. WĂ€hrend des ErzĂ€hlprozesses erlebt die Teilnehmerin eine tiefe emotionale Entlastung. AnschlieĂend formuliert sie eine neue Haltung, die sich optimistischer und souverĂ€ner anfĂŒhlt. Die Gruppe beschreibt den Prozess als kreativ, verbindend und klĂ€rend.
Quellen und Referenzen
Domhoff, G. W. (2003): The Scientific Study of Dreams: Neural Networks, Cognitive Development, and Content Analysis, APA
Stewart, K. (1948): Pygmies and Dream Giants, W. W. Norton & Company
Wikipedia (2025): Artikel âSenoiâ (deutsch/englisch)
Evans, R. (2021): Senoi Dream Mythology
ZusÀtzliche Ressourcen oder Dokumente
Springer Fachbuch: Narrative AnsÀtze in Beratung und Coaching (MPI-Modell)
MyChange Toolbox: Storytelling im Change