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Coaching

Das ICH in der Steuerungsposition

Die Steuerungsposition ist eine zentrale Haltung in der hypnosystemischen Arbeit. Sie ermöglicht es, innere Anteile wahrzunehmen, ohne sich mit ihnen zu identifizieren. So können aus einer klaren, integrierten Ich-Position heraus selbstbestimmte Entscheidungen getroffen werden.

Teilnehmende sitzen im Kreis, Coaching-Methodenkarten und Modelle liegen auf dem Boden – gemeinsames Arbeiten an Konzepten und Prozessen.

Innere Führung beginnt mit Haltung

Die „Steuerungsposition“ ist ein zentrales Konzept in der hypnosystemischen Arbeit nach Gunther Schmidt. Sie beschreibt die innere Haltung einer Person, aus der heraus souveränes und integriertes Handeln möglich wird. Diese Position ermöglicht es, die Vielfalt innerer Anteile wahrzunehmen, zu würdige, ohne die Fähigkeit zu verlieren, bewusst und selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen.. Das Konzept findet sich in ähnlicher Form auch in anderen psychologischen Schulen wieder und bildet eine Grundlage für Selbstführung, Coaching und Supervision.

Das Ich in der Führungsrolle

Die Steuerungsposition lässt sich als innere Haltung beschreiben, in der eine Person ihre verschiedenen inneren Stimmen, Seiten oder Anteile wahrnimmt, ohne mit ihnen zu verschmelzen. Stattdessen nimmt das „Ich“ eine moderierende, beobachtende und letztlich entscheidende Rolle ein. Dies ist besonders hilfreich in Situationen innerer Ambivalenz, in denen mehrere widersprüchliche Impulse gleichzeitig vorhanden sind.
Im hypnosystemischen Modell von Gunther Schmidt wird die Steuerungsposition als Ort der Entscheidungshoheit und Führung beschrieben. Sie ist nicht wertend, sondern integriert, ressourcenorientiert und zielklar.

Vergleichbare Konzepte in anderen psychologischen Schulen

  • TZI (Themenzentrierte Interaktion): Die innere Chairperson nach Ruth Cohn ist die Instanz, die das Ich in Bezug zu seinen Bedürfnissen, der Gruppe und der Aufgabe bringt.

  • Inneres Team (Schulz von Thun): Die Teamleitung hat die verschiedenen Mitglieder des inneren Teams im Blick und sorgt für Kohärenz und Ausrichtung.

  • Internal Family Systems (IFS, Richard Schwartz): Das Selbst ist die zentrale, heilsame Instanz, die die Führung übernimmt und alle inneren Teile willkommen heißt.

  • Transaktionsanalyse (Eric Berne): Das Erwachsenen-Ich steht für eine rationale, gegenwartsbezogene Steuerung und vermittelt zwischen dem Eltern-Ich und dem Kind-Ich.

Anwendung: Mit Ambivalenzen arbeiten

In Coaching- oder Supervisionsprozessen ist die Arbeit mit inneren Anteilen häufig ein zentraler Bestandteil. Oft beginnen Klient*innen mit einem inneren Konflikt, der sich in einem „Einerseits … andererseits …“ ausdrückt. Diese gegensätzlichen Seiten werden im Prozess identifiziert, zum Sprechen gebracht und gewürdigt. Dabei können weitere, bislang unbewusste Anteile auftauchen, die die Komplexität zunächst erhöhen.

Die Steuerungsposition als Meta-Ebene

Durch das bewusste Etablieren einer Steuerungsposition im Prozess wird eine Meta-Ebene geschaffen. Diese ist nicht Teil des Konflikts, sondern ermöglicht aus einer übergeordneten Perspektive heraus Integration, Klarheit und Handlungsfähigkeit. Die Steuerungsposition fördert somit Selbstführung und Entscheidungskompetenz.

Fallbeispiel: Klar führen trotz innerer Zerrissenheit

In einem Supervisionsprozess berichtet eine Führungskraft von einem Dilemma: Einerseits möchte sie ein Teammitglied konsequent zur Rechenschaft ziehen, andererseits hat sie Sorge, damit das Vertrauensverhältnis zu schädigen. Im Gespräch werden diese Seiten als „die Strenge“ und „die Fürsorgliche“ identifiziert. Weitere Stimmen wie „die Unentschlossene“ oder „die Gerechtigkeitsliebende“ tauchen auf. Die Supervisorin unterstützt die Führungskraft dabei, ihre Steuerungsposition einzunehmen. Aus dieser Position heraus gelingt es der Führungskraft, eine Lösung zu finden, die sowohl Klarheit schafft als auch die Beziehungsqualität wahrt.

Quellen und Referenzen

  • Schmidt, G. (2024). Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung, Carl-Auer Compact

  • Löhmer, C. & Standhardt, R. (2006). TZI – Die Kunst, sich selbst und eine Gruppe zu leiten, Klett-Cotta

  • Schwartz, R. (2024). Das System der Inneren Familie – Ein Weg zu mehr Selbstführung, Penguin Verlag

  • Berne, E. (2006). Die Transaktions-Analyse in der Psychotherapie, Rowohlt Verlag