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Coaching

Restriktionsmodell in der Zielsetzung und Handlungsplanung

Das Restriktionsmodell unterstützt dabei, konstruktiv mit dem Spannungsfeld zwischen Wunsch und Wirklichkeit umzugehen. Durch das Akzeptieren von Einschränkungen und die Entwicklung „zweitbester Ziele“ entsteht Selbstwirksamkeit und realistische Entwicklung.

Teilnehmende sitzen im Kreis, Coaching-Methodenkarten und Modelle liegen auf dem Boden – gemeinsames Arbeiten an Konzepten und Prozessen.

Wenn Ziele scheitern: Frust zwischen Soll und Ist

Coachees sind oft frustriert und enttäuscht, weil die Welt nicht so ist, wie sie sie sich wünschen. Zwischen dem gewünschten SOLL und dem aktuellen IST liegt der Entwicklungsprozess. Allerdings sind nicht alle SOLL-Zustände (Sehnsüchte) aus eigener Kraft (selbstwirksam) erreichbar. Oft sind sie von anderen Personen (z. B. Vorgesetzte, Partner, Nachbarn), gesellschaftlichen oder politischen Rahmenbedingungen (z. B. Klimaschutz, Chancengleichheit, Frieden), Ressourcen (z. B. Geld, Zeit, Kompetenzen) oder Naturgesetzen (z. B. Alter, Schwerkraft, physische Begrenzungen) abhängig.

Anerkennen statt wegreden: Sehnsucht und Realität

Diese Restriktionen können beim Coachee Gefühle von Ohnmacht und Demotivation auslösen. Coaches können durch empathisches Pacing sowohl die Sehnsucht als auch die Frustration validieren, die Restriktionen transparent machen und gemeinsam mit dem Coachee selbstwirksame, „zweitbeste Ziele“ entwickeln – mit wertschätzender Anerkennung der Kompromissbereitschaft.

Das Restriktionsmodell Schritt für Schritt

  1. Sehnsucht als Ausgangspunkt
    Der Coachee beschreibt eine Sehnsucht oder ein Ziel, das aktuell nicht erreichbar scheint, beispielsweise mehr Wertschätzung von der Führungskraft, ein schnelleres Erreichen eines Ziels oder eine bessere Priorisierung im Team

  2. Empathisches Pacing
    Der Coach oder die führende Person zeigt empathisches Verständnis für die Frustration und die Wünsche. Ziel ist es, das emotionale Erleben des Coachees ernst zu nehmen und zu validieren.

  3. Restriktionen sichtbar machen
    Gemeinsam wird analysiert, welche inneren oder äußeren Restriktionen das erstbeste Ziel aktuell verhindern. Dabei kann auch diskutiert werden, ob und wie sich diese Bedingungen zukünftig verändern könnten.

  4. Zweitbeste Ziele entwickeln
    Die Restriktion wird als gegenwärtige Einschränkung anerkannt. Im Gespräch wird ein sinnvolles Zwischenziel definiert, das Fortschritt oder Entlastung in Richtung des ursprünglichen Wunsches ermöglicht. Gunther Schmidt bezeichnet solche zweitbesten Ziele als „Champignon dritte Wahl“ – eine pragmatische und zugleich wertschätzende Perspektive.

  5. Das erstbeste Ziel im Blick behalten
    Das ursprüngliche Ziel wird nicht entwertet. Es behält seine Funktion als sinnstiftender Kompass und Ausdruck tiefer Werte. Gleichzeitig wird das zweitbeste Ziel als realistische, selbstwirksame Handlungsoption etabliert. Dies fördert die Autonomie und motiviert.

Anwendung in der Praxis

Das Restriktionsmodell eignet sich insbesondere in Coaching-, Führungs- oder Teamkontexten, wenn Personen an einem Punkt der Frustration oder vermeintlichen Handlungsunfähigkeit angelangt sind. Es ermöglicht einen klaren und wertschätzenden Umgang mit dem Spannungsfeld zwischen Ideal und Realität und fördert realistische, selbstwirksame Schritte zur Entwicklung.

Fallbeispiel

Eine Führungskraft ist enttäuscht, weil ihr Team ihre strategische Vision nicht annimmt. Im Coaching wird deutlich, dass strukturelle Überlastung und mangelnde Beteiligung Restriktionen darstellen. Die Führungskraft entwickelt als zweitbestes Ziel, einzelne Teammitglieder gezielt einzubinden und Teilerfolge sichtbarer zu machen. Das ursprüngliche Ziel bleibt bestehen, verliert aber seine blockierende Wirkung.

Quellen und Referenzen

  • Gunther Schmidt: Hypnosystemisches Restriktionsmodell, siehe: resilienz-akademie.com

  • Stephen R. Covey: The 7 Habits of Highly Effective People – Konzept des „Circle of Influence“, siehe: asana.com