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Coaching

Das Trance-Modell von Jeffrey Zeig

Das Trance-Modell von Jeffrey Zeig hilft Coaches, ressourcenorientierte Trancezustände zu fördern. Mit bewusster Steuerung von Aufmerksamkeit, Intensität, Dissoziation und Responsivität lassen sich Klient*innen aus Problemtrancen in lösungsorientiertes Denken begleiten.

Teilnehmende sitzen im Kreis, Coaching-Methodenkarten und Modelle liegen auf dem Boden – gemeinsames Arbeiten an Konzepten und Prozessen.

Ressourcen aktivieren und Lösungstrancen fördern

Das Trance-Modell von Jeffrey Zeig basiert auf dem umfassenden Methodenreichtum von Milton Erickson und bietet einen strukturierten Ansatz zur gezielten Nutzung von Trance im Coaching. Er hilft Coaches dabei, Angebote zur Aufmerksamkeitsfokussierung zu formulieren, damit ihre Coachees innere Ressourcen aktivieren und Problemtrancen auflösen können. Die vier zentralen Trance-Merkmale – Aufmerksamkeit, Intensität, Dissoziation und Responsivität – bilden die Grundlage für eine effektive, lösungsorientierte Trance-Arbeit.

Ursprung: Von Erickson zu Zeig

Milton H. Erickson entwickelte die moderne Hypnotherapie, die sich durch indirekte Suggestionen und gezielte Aufmerksamkeitslenkung auszeichnet. Jeffrey Zeig, einer seiner bedeutendsten Schüler, systematisierte Ericksons Techniken und machte sie für Therapeuten und Coaches zugänglich. Sein Trance-Modell beschreibt vier Kernelemente der Trance.

  • Aufmerksamkeit: Trance fokussiert die Aufmerksamkeit und lenkt sie nach innen. Dadurch kann die Wahrnehmung fĂĽr innere Prozesse gesteigert und später auch gesteuert werden. 

  • Intensität: Innere Erlebnisse können intensiver oder gedämpfter wahrgenommen werden. Dadurch können Ressourcen stärker assoziiert und Problemtrancen in den Hintergrund treten oder aufgelöst werden.

  • Dissoziation: In einem tranceartigen Zustand kann die Aufmerksamkeit zwischen verschiedenen möglichen Realitäten flieĂźend wechseln. Das Hier-und-Jetzt wird nicht mehr als die einzige Wirklichkeit wahrgenommen und es entstehen konstruktivistische Gestaltungsmöglichkeiten von „sowohl – als auch – und noch mehr”, die erkundet werden können. 

  • Responsivität: Eine hypnotische Trance entsteht im Coaching in der Regel mit offenen Augen während des Gesprächs. Die Aufmerksamkeit wird durch Fragen gelenkt, die beim Coachee interne Suchprozesse auslösen. Ein Hinweis auf einen trancenahem Zustand zeigt sich durch minimale nonverbale Reaktionen auf die Angebote des Coaches. Responsivität kann sich beispielsweise durch zustimmendes Kopfnicken, veränderte Atmung, einen entspannten Blick (Tagträume) und Entspannung im Muskeltonus zeigen. 

Anwendung des Trance-Modells im Coaching

Das Modell kann Coaches dabei unterstützen, Klienten aus einer Problemtrance in eine Lösungstrance zu führen. Dabei wird gezielt an der Wahrnehmungsfokussierung sowie an der Wechselwirkung zwischen Coachee und seinen systemischen Umwelten gearbeitet, um Problemmuster zu erkennen und aufzulösen sowie positive Ressourcen zu stärken und Lösungsmuster aufzubauen. Gunther Schmidt hat hierzu mit den Ansätzen der Hypnosystemik wertvolle Beiträge geleistet.

Praxisbeispiel: Vom Blockadegefühl zur Lösungshaltung

Eine Klientin fühlt sich beruflich blockiert. Durch eine ressourcenorientierte Trance wird ihre Aufmerksamkeit auf frühere Erfolgserlebnisse gelenkt. Die Intensität dieser Erinnerungen wird verstärkt, sodass sie sich zunehmend mit einer lösungsorientierten Haltung identifizieren kann.

Sprachliche und körperliche Methoden im Überblick

  • Sprachliche Muster nach Erickson nutzen, um neue Perspektiven zu eröffnen

  • Körperorientierte Interventionen einbauen (z. B. Atmung, Haltung, Problemlösegymnastik nach Gunther Schmidt).

  • Narrative und Metaphern verwenden, um unbewusste Suchprozesse zu aktivieren (z. B. Senoi-Technik).

5 praktische Tipps fĂĽr den Coaching-Alltag

  • Achte auf die Aufmerksamkeitsfokussierung und lenke den Klienten gezielt von einer problemzentrierten zu einer lösungszentrierten Wahrnehmung.

  • Reguliere die Intensität, indem du positive Ressourcen verstärkst und den selbstwirksamen Umgang mit als belastend empfundenen Dynamiken stärkst.

  • Nutze Dissoziation bewusst: Fördere die Distanzierung vom Problemerleben (Armlänge Abstand) oder die Identifikation mit Lösungen (erlebtes Ich).

  • Setze subtile Hinweise gezielt ein: Kleine Veränderungen in Sprache oder Körpersprache können groĂźe Wirkungen haben.

  • Fördere die Suche nach persönlichem Sinn: Stelle offene Fragen, die die Klienten anregen, ihre eigenen Gedanken schweifen zu lassen und ihre Ressourcen (innere Schätze) zu entdecken. 

Quellen und weiterfĂĽhrende Informationen

  • Erickson, M. H., Rossi, E. L., & Rossi, S. I.: Hypnotic Realities, Irvington Publishers

  • Zeig, J. K.: Experiencing Erickson: An Introduction to the Man and His Work,  Brunner/Mazel

  • Schmidt, G.: Liebesaffären zwischen Problem und Lösung: Hypnosystemisches Arbeiten in schwierigen Kontexten, Carl-Auer Verlag

  • Gilligan, S.: Generative Trance: The Experience of Creative Flow, Crown House Publishing

  • Bräunlein, P. J.: Auf der Suche nach den „träumenden Senoi“, in: kea 13 / 2000 – TRĂ„UME/N, S. 59–75

Zusätzliche Ressourcen

  • Video-Vorträge von Jeffrey Zeig auf YouTube zu Erickson’scher Hypnose

  • Artikel und Podcasts zu hypnosystemischem Coaching von Gunther Schmidt