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Coaching

Tetralemma-Arbeit – Denkräume erweitern

Die Tetralemma-Arbeit erweitert Entscheidungsräume weit über das klassische Entweder-oder hinaus. Durch fünf systemische Perspektiven wird es möglich, festgefahrene Dilemmata aufzulösen, kreative Lösungen zu entwickeln und radikal neue Optionen zu entdecken.

Teilnehmende sitzen im Kreis, Coaching-Methodenkarten und Modelle liegen auf dem Boden – gemeinsames Arbeiten an Konzepten und Prozessen.

Entscheidungssackgassen systemisch aufbrechen

„Wahlmöglichkeiten erhöhen“ ist ein ethisches Gebot im Coaching. Denn oft erleben Coachees ihre Lage wie Buridans Esel: Zwischen zwei Optionen – A oder B – scheint keine Entscheidung möglich zu sein. Die Tetralemma-Arbeit (nach Varga von Kibéd & Sparrer) durchbricht dieses Dilemma, indem sie drei zusätzliche Optionen einführt: Beides, Keines und Etwas ganz Anderes. Dadurch wird der Denk- und Entscheidungsraum erweitert und es werden neue kreative Lösungen möglich. .

Struktur und Herkunft des Tetralemmas

1. Struktur des Tetralemmas

  • Das Eine (A)

  • Das Andere (B)

  • Beides (A und B gemeinsam, als Synthese, Kombination oder paradoxe Integration)

  • Keines von Beidem (weder A noch B; Loslösung vom bestehenden Rahmen)

  • Etwas ganz Anderes (Nicht-Position; radikale Neuperspektivierung, Musterunterbrechung)

2. Herkunft und Bedeutung

Die Struktur des Tetralemmas stammt ursprünglich aus der antiken indischen Logik (Catuṣkoṭi) und wurde von Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer für die systemische Arbeit weiterentwickelt. Sie bildet eine zentrale Methode der systemischen Strukturaufstellungen (SySt®) und dient insbesondere der Erweiterung von Entscheidungs- und Handlungsspielräumen.

3. Theoretische Grundlage

Die fünf Positionen stehen nicht nur für Optionen, sondern auch für Haltung, Dynamik und Erkenntnismöglichkeiten. Die “Nicht-Position” erlaubt es, aus allen bisherigen Denkrahmen auszusteigen und grundlegend neue Sinnhorizonte zu erforschen.

Anwendung im Coaching

1. Visualisierung

Die Positionen des Tetralemmas können auf einem Blatt Papier oder im Raum als Fünfeck dargestellt werden. Im Zentrum steht der Coachee. Die fünf Optionen strahlen als Perspektivachsen in den Raum. Alternativ können Figuren, Moderationskarten oder Bodenanker die Positionen sichtbar machen..

2. Prozessschritte im Coaching

  • Klärung des Ausgangsdilemmas (A vs. B)

  • Vorstellung der fünf Positionen

  • Positionierung im Raum: Der Coachee “besucht” jede Position nacheinander

  • Reflexion zu jeder Position: Welche Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen treten auf?

  • Integration: Welche neuen Sichtweisen oder Handlungsimpulse entstehen?

3. Typische Coachingfragen je Position

  • A: Was wäre, wenn du dich klar für A entscheidest?

  • B: Was wäre, wenn du dich ganz auf B einlässt?

  • Beides: Wie könnte eine Kombination aussehen? Was braucht es dafür?

  • Keines: Was geschieht, wenn du dich aus dem Dilemma verabschiedest?

  • Etwas ganz Anderes: Welche ungedachten Wege oder Ideen tauchen auf, wenn du dich für das „ganz Andere“ öffnest?

Fallbeispiel: Zwischen Sicherheit und Neuanfang

Coaching-Szenario

Ein Klient überlegt, ob er in seinem sicheren aktuellen Job (A) bleiben oder eine risikobehaftete neue Position (B) annehmen soll.

Fünf Positionen im Coaching

  • Das Eine (A): Sicherheit, Planbarkeit, aber auch Stagnation.

  • Das Andere (B): Entwicklung, Lernchancen, aber auch Unsicherheit.

  • Beides: Teilzeit in A, Projektarbeit in B oder Hybridmodell.

  • Keines: Sabbatical, Zeit für sich selbst, externe Weiterbildung.

  • Etwas ganz Anderes: Sinnfrage neu stellen – z. B. Selbstständigkeit, Auslandsjahr, soziales Projekt.

Aufstellung im Raum

Mit Bodenankern für jede Position bewegt sich der Klient zu jeder Möglichkeit, erspürt die jeweilige Qualität, benennt Emotionen, Gedanken und körperliche Resonanzen. Die fünfte Position wirkt oft als Impulsgeber für völlig neue Perspektiven.

Quellen und Referenzen