Mehr als Worte: Metaphern als Zugang zur Innenwelt
Metaphern sind weit mehr als bloße sprachliche Verzierungen. Sie sind Ausdruck innerer Bilderwelten, Verdichtungen von Erleben und Zugang zur emotionalen und somatischen Wirklichkeit eines Menschen. Im Coaching, in der Teamentwicklung und in der Organisationsberatung ermöglichen sie einen kraftvollen Zugang zur Innenwelt von Menschen und bieten die Möglichkeit, Perspektivwechsel und Veränderung auf tiefgreifende Weise anzustoßen.
Wie Metaphern subjektives Erleben ausdrücken
Metaphern transportieren die innere Bildwelt eines Menschen nach außen. Sie entstehen aus individuellen Erfahrungen, Emotionen und körperlichen Reaktionen (somatischen Markern) und verdichten komplexe Erlebniszustände zu sprachlich fassbaren Bildern. Damit sind Metaphern ein zentrales Mittel, um die subjektive Realität zu verstehen und zu beeinflussen..
Innere Filme statt objektiver Realität
Die hohe Komplexität der äußeren Welt wird im menschlichen Gehirn auf Basis früherer Erfahrungen verzerrt, verallgemeinert und selektiv reduziert. Dieser Vorgang führt dazu, dass Informationen im limbischen System bildhaft gespeichert und interpretiert werden. Metaphern sind dabei Ausdruck dieser inneren „Filme“, die unser Erleben oft stärker beeinflussen als die objektiv erfassbare Realität.
Metaphern als Brücke zwischen Emotion und Sprache
In der Sprache treten Metaphern als Brücke zwischen Innen- und Außenwelt auf. Sie ermöglichen Coaches, Berater*innen und Moderator*innen wertvolle Hinweise auf das emotionale Erleben von Klient*innen und Teams zu erkennen. Darüber hinaus lassen sich metaphorische Aussagen gezielt umdeuten („Reframing“), um neue Perspektiven zu eröffnen und den inneren Film zu verändern.
So arbeiten Coaches mit Metaphern
In der Praxis bedeutet der Umgang mit Metaphern:
Zuhören und auf Metaphern achten: Welche Bilder verwenden Coachees oder Teammitglieder spontan?
Nachfragen: Was genau meint die Person mit dieser Metapher? Wie sieht das innere Bild aus?
Reframing: Wie könnte ein anderes Bild für dieselbe Situation aussehen, das weniger belastend oder ressourcenreicher ist? Welche Lösungen wären in der gleichen Metapher mit etwas Kreativität möglich?
Eigene Metaphern vorsichtig anbieten: z. B. über Geschichten, Analogien oder Visualisierungen, wenn diese zur Situation passen.
Transfer: Welchen Unterschied hat die Metaphernarbeit auf das Denken und Fühlen gemacht? Welche konkreten Entscheidungen für das Verhalten in der Außenwelt können wir ableiten?
Fallbeispiel: Vom inneren Film zur Klarheit
Im Gespräch schilderte ein Coachee: „Im letzten Meeting hat man mir ein Messer in den Rücken gerammt.“ Die Coachin nahm diese drastische Metapher zunächst wörtlich und fragte vorsichtig nach, was genau geschehen sei. Im weiteren Verlauf des Gesprächs stellte sich heraus, dass der Coachee vor dem besagten Meeting nicht über eine Agenda-Änderung informiert worden war und deshalb unvorbereitet gewirkt hatte. Obwohl objektiv keine „feindliche Absicht“ erkennbar war, hatte die Geschichte, die sich der Coachee dazu ausmalte, eine massive emotionale und körperliche Reaktion ausgelöst. Das Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie stark metaphorische Bilder das Erleben beeinflussen können und wie durch gezieltes Nachfragen Klärung und Umdeutung möglich werden.
Quellen und Referenzen
Lindemann, Holger: Die Macht der Metaphern im Coaching, Springer Verlag
Lakoff, George & Johnson, Mark: Leben in Metaphern: Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern, Suhrkamp Verlag
Zusätzliche Ressourcen oder Dokumente
Video von Dr. Holger Lindemann: Wie wirken Metaphern im Coaching