Persönliche Entwicklung mit System sichtbar machen
Die "Leadership Journey" bzw. "Coaching Journey" ist eine visuelle, biografisch-reflexive Methode, die das Selbstbewusstsein stärkt, die Ressourcenorientierung fördert und die persönliche Entwicklung unterstützt. Sie unterstützt insbesondere Führungskräfte und Coaches dabei, ihren individuellen Entwicklungsweg zu reflektieren, Schlüsselmomente zu erkennen und ihren eigenen Führungsstil bewusster zu gestalten. Die Methode fördert ein authentisches Verständnis der eigenen Stärken und Lernprozesse.
Das Konzept der Journey-Arbeit
Im Zentrum der Journey-Arbeit steht eine visuelle Zeitachse (Timeline), auf der die eigene Entwicklung entlang von 5 bis 10 prägenden Schlüsselmomenten oder -phasen dargestellt wird. Diese können Erfolge, Krisen, Wendepunkte oder besonders lernintensive Erlebnisse sein. Zur Visualisierung werden Fotos, Zeichnungen, Symbole oder Begriffe verwendet.
Die Journey kann sowohl in Gruppen (z. B. in Trainings) als auch im Einzelcoaching erstellt werden. Der Prozess umfasst folgende Schritte:
Erstellen der eigenen Timeline mit Zeichnungen, Symbolen und/oder Bildern.
Selbstreflexion über zentrale Lern- und Entwicklungsphasen.
Teilen der Journey in einem geschützten Rahmen (optional).
Entwicklungsgespräch oder Transferarbeit zur Integration der Erkenntnisse.
Anwendung in der Praxis
Zielgruppe:
Menschen, die ihre berufliche oder persönliche Entwicklung reflektieren möchten. Besonders geeignet für Führungskräfte, Coaches und Teilnehmende von Entwicklungsprogrammen.
Materialien:
Gruppen: Flipchart, Marker, vorbereitete Symbole/Bildkarten
Einzelcoaching: Papier, Stifte
Online: Digitales Whiteboard, Online-Bildersuche
Zeitaufwand:
Erstellung: ca. 15–20 Minuten
Auswertung/Reflexion: ca. 20–30 Minuten oder mehr (je nach Setting)
Herausforderungen:
"Zu dünn": Wenn nur oberflächliche Stationen benannt werden (z. B. Schule, Studium)
"Zu tief": Wenn sehr frühe Erlebnisse zu schnell psychologisiert werden.
Tipps:
Mit empathischer Ernsthaftigkeit und positiver Leichtigkeit begleiten
Keine Perfektion anstreben, sondern Sinn und Nutzen
Anschlussmöglichkeiten nutzen (z. B. Arbeit mit Charakterstärken).
Fallstudie / Beispiel
Im Einzelcoaching mit einer Führungskraft diente die Journey dazu, die Selbstbewertung „Ich bin nicht dominant genug, um Führungskraft zu sein” zu hinterfragen.
Durch die visuelle Reflexion und das Gespräch über persönliche Schlüsselmomente erkannte die Führungskraft eigene Führungsstärken wieder, die auf Authentizität, Empathie und Klarheit basieren. Die Methode führte zu emotionaler Betroffenheit, aber auch zu gestärkter Selbstwahrnehmung.
Zentrale Erkenntnis: "Ich habe schon oft in meinem Leben Führungsrollen übernommen, ohne dass es mir bewusst war. Mein Stil muss zu mir passen – dann bin ich authentisch und kann mich auch gut durchsetzen, ohne zu dominieren."
Quellen und Referenzen (APA-Stil)
McAdams, D. P. (2001). The psychology of life stories. Review of General Psychology, 5(2), 100–122
Butler, R. N. (1963). The life review: An interpretation of reminiscence in the aged. Psychiatry, 26(1), 65–76.
Jansen, I. (2021). Biografiearbeit im Hilfeprozess der Sozialen Arbeit. In: C. Schäfer & I. Jansen (Hrsg.), Ressourcenorientierte Biografiearbeit (S. 55–70). Springer VS
Elder, G. H., Johnson, M. K., & Crosnoe, R. (2003). The emergence and development of life course theory. In J. T. Mortimer & M. J. Shanahan (Hrsg.), Handbook of the life course (S. 3–19). Springer